Kinderfotos im Netz: Was 7 Promi-Familien anders machen

Bis zum fünften Geburtstag zeigen laut einer Nominet-Baseline-Studie aus dem Jahr 2015 rund 973 Online-Fotos ein einzelnes Kind. Noch bevor die Grundschule beginnt, entsteht damit ein Bilderteppich, den das Kind selbst nie autorisiert hat. Zwischen dem, was Eltern posten, und dem, was ihre Kinder später einmal in Ordnung fänden, klafft eine große Lücke. Sharenting bezeichnet das öffentliche Teilen von Kinderinhalten durch die Eltern. Laut Bitkom-Report aus dem Jahr 2024 wissen nur 26 % der Erwachsenen in Deutschland, wann sie Kinderfotos rechtssicher teilen dürfen.

Sieben Promi-Familien machen es anders. Dieser Text zeigt Ihnen ihre Regeln und, noch wichtiger, wie Sie diese im Alltag übernehmen können. Dazu gehören private Alben, gedruckte Fotobücher und die klassische Kinderfotografie. Wer professionelle Erinnerungen ohne Instagram-Auftritt sucht, findet bei kizpix.de eine Foto-Praxis, die auf private Übergabe statt öffentliches Teilen ausgelegt ist.

Key Takeaways
– Nur 26 % der Erwachsenen in Deutschland wissen laut Bitkom (2024), wann sie Kinderfotos rechtssicher posten dürfen.
– Ab dem 14. Geburtstag müssen laut § 22 KUG in Verbindung mit Artikel 8 DSGVO Eltern und Kind gemeinsam zustimmen.
– Silhouetten, verschlüsselte Familien-Alben und Fach-Fotografinnen liefern die bessere Bilanz aus Erinnerung und Schutz als ein offener Feed.
– Emoji vor dem Gesicht ist Notlösung, keine Sicherheit: Metadaten, Kleidung und Umgebung bleiben lesbar.

Auf dieser Seite:

  • Was ist Sharenting, und warum reden plötzlich alle darüber?
  • Welche 7 Promi-Familien schützen ihre Kinder, und wie genau?
  • Warum sind Prominente so vorsichtig mit Kinderfotos?
  • Was sagt das Gesetz zu Kinderfotos im Netz?
  • Wie bewahren Sie Erinnerungen, ohne Ihr Kind zu zeigen?
  • Bevor Sie posten: die 3-Sekunden-Checkliste
  • Häufig gestellte Fragen
  • Fazit
  • Quellen

Was ist Sharenting, und warum reden plötzlich alle darüber?

Sharenting bezeichnet das öffentliche Teilen von Fotos, Videos und Alltagsgeschichten des eigenen Kindes durch die Eltern in sozialen Medien. Laut Bitkom-Umfrage aus dem Jahr 2024 wissen nur 26 % der Erwachsenen in Deutschland, wann das rechtlich überhaupt erlaubt ist (Bitkom, 2024). Der Begriff verbindet die englischen Wörter share und parenting.

Aufmerksamkeit bekommt das Thema jetzt aus zwei Richtungen. Der Deutsche Bundestag hat in seiner Sitzungswoche 45 im Jahr 2025 ein Fachgespräch zu Sharenting und Kinderinfluencern angesetzt. Gleichzeitig sind die Kinder, die vor zehn Jahren zum ersten Mal fotografiert wurden, heute selbst Teenager. Sie stellen die alten Familien-Accounts der Eltern in Frage.

Wie viele davon selbst posten, zeigt eine Erhebung von Bitkom aus dem Jahr 2025 sehr deutlich. In der Altersgruppe der 16- bis 18-Jährigen sind bereits 83 % auf Social Media aktiv, in der Gruppe der 13- bis 15-Jährigen 55 %. Wer als Eltern über eigene Grenzen nachdenkt, entscheidet also nicht abstrakt, sondern für ein Kind, das sich früher oder später selbst im Netz bewegt.

Bei sozialen Medien geben 31 % der Deutschen ausdrücklich Unsicherheit an. Bei Messenger-Diensten wie WhatsApp sind es sogar 48 % (Bitkom, 2024). Diese Wissenslücke ist die Kernbegründung, warum ein Blick auf die Regeln der Prominenten überhaupt lohnt.

Zwei Auslöser bestimmen die aktuelle Debatte. Erstens haben Kinderrechtsorganisationen wie das Deutsche Kinderhilfswerk ihre Warnungen um KI-basierte Bildmanipulation ergänzt. Zweitens ziehen erste Gerichtsurteile aus dem englischen Sprachraum Kreise, in denen erwachsene Kinder ihre Eltern wegen alter Instagram-Posts verklagen. In Deutschland gibt es solche Klagen bislang nicht öffentlich. Die Rechtsgrundlage über § 22 KUG und die DSGVO wäre jedoch vorhanden.

Für den Kontext lohnt der Blick in unsere Rubrik Digitales Familienleben, in der wir Ratgeber zu Datenschutz, Screentime und Sicherheit bündeln.

Welche 7 Promi-Familien schützen ihre Kinder, und wie genau?

Sieben deutsche und internationale Promi-Familien haben unterschiedliche Wege gefunden, ihre Kinder aus dem Netz herauszuhalten. Die Bandbreite reicht von Emoji-Gesichtern über Silhouetten bis zur kompletten Abwesenheit vom Familien-Account. Während laut Pew Research aus dem Jahr 2020 rund 82 % aller US-Eltern regelmäßig Kinderbilder posten (Mütter 89 %, Väter 71 %), leisten diese Familien bewusst Gegenrede (Pew Research, 2020). Sechs von sieben Regeln lassen sich direkt in den Alltag übertragen.

Kinderfotos im Netz
1. Heidi Klum: Kein eigenes Konto vor dem 18. Geburtstag

Heidi Klum hat für ihre vier Kinder mit Seal eine klare Grundlinie gesetzt. Bilder tauchen fast nie in ihrem Feed auf, und eigene Instagram-Auftritte der Kinder werden bis zum 18. Geburtstag konsequent abgelehnt. Sie begründet das laut Schweizer Illustrierter damit, dass ihre Kinder die Entscheidung über einen öffentlichen Auftritt selbst treffen sollen. Für den Alltag heißt das: Beantworten Sie ehrlich, ob Ihr Kind mit 16 Jahren die Fotos seiner Kindheit selbst noch teilen würde. Wenn nicht, spricht viel für den Verzicht. Mehr Hintergrund liefert unser Heidi-Klum-Steckbrief mit Karriere, Familie und Vermögen im Überblick.

2. Helene Fischer: Name und Gesicht bleiben komplett privat

Helene Fischer und Thomas Seitel geben zu ihrer Tochter Nala weder Fotos noch die vollständige Version des Vornamens öffentlich preis. Auftritte finden auf Bühnen statt, nicht im privaten Instagram. T-online.de rekonstruiert die Kommunikation der Familie als bewusst kargen Umgang mit Details, um die Suche für Boulevard-Recherchen zu erschweren. Für den Alltag heißt das: Auch ohne Prominenz senken Sie das Risiko deutlich, wenn Sie in Social-Media-Beiträgen weder den vollen Namen noch die Kita noch das Geburtsdatum nennen. Die drei Angaben zusammen genügen für gezielte Recherche. Details zum Familienleben der Sängerin finden Sie in unserem Helene-Fischer-Porträt.

3. Blake Lively und Ryan Reynolds: Rücken und Silhouette statt Frontalfoto

Blake Lively und Ryan Reynolds zeigen ihre vier Kinder gelegentlich, aber nie mit dem Gesicht in die Kamera. Die Fotos, die 20min.ch dokumentiert, zeigen Kinder von hinten, im Gegenlicht oder mit Emoji über dem Gesicht. Für den Alltag heißt das: Silhouetten-Fotos wirken oft sogar wärmer als das klassische Kamera-Lächeln und funktionieren auch dann, wenn Sie später einmal ein Familienbild ausdrucken wollen. Ein professioneller Kinderfotograf oder eine Nachmittagsstunde auf dem Spielplatz reichen aus. Achten Sie darauf, dass keine Kleidungsstücke mit Klarnamen oder Schulwappen sichtbar bleiben. Weiteres zum Hollywood-Paar bündelt unser Blake-Lively-Porträt.

4. Gigi Hadid und Zayn Malik: Das Kind entscheidet später selbst

Gigi Hadid formuliert das Prinzip so, dass es zum vielleicht meistzitierten Sharenting-Satz der letzten Jahre wurde. Gegenüber Marie Claire erklärte das Model, ihre Tochter Khai solle später einmal selbst wählen. Bis dahin gilt: kein Gesicht öffentlich.

„Ihre Tochter Khai solle später selbst wählen, wie sie sich der Welt zeige.”
Gigi Hadid, gegenüber Marie Claire

Für den Alltag heißt das: Verstehen Sie Ihre Timeline als vorläufige Entscheidung, nicht als Familien-Archiv. Was Sie heute posten, wird Ihr Kind mit 14 oder 18 Jahren nicht rückgängig machen können. Die Rolle als Eltern ist an dieser Stelle die eines Bevollmächtigten, nicht die einer Redaktion.

5. Kristen Bell und Dax Shepard: Emojis vor dem Gesicht

Kristen Bell und Dax Shepard verwenden Emojis, um die Gesichter ihrer Töchter zu bedecken, sobald ein Familienfoto in der Öffentlichkeit landet. Sie haben laut HuffPost erklärt, dass sie das Recht ihrer Kinder auf eine eigene Präsenz respektieren wollen. Für den Alltag heißt das: Emojis sind eine Notlösung, keine echte Sicherheit. Wenn Umgebung, Kleidung oder Standort erkennbar sind, hilft ein Sternchen nur bedingt. Reverse Image Search, EXIF-GPS-Daten und markante Kleidung führen den Emoji-Schutz oft ins Leere. Sinnvoll ist die Emoji-Regel nur für Fotos in geschlossenen Familien-Chats.

6. Anne Hathaway: Kindheit ist eine einmalige Phase

Anne Hathaway hat den vielleicht ruhigsten Satz zur Debatte beigetragen. Auf Nachfragen zu ihrem Sohn Jonathan Rosebanks antwortete sie mit dem Hinweis, man könne nur einmal Kind sein, wie promiflash.de dokumentiert. Weder Instagram-Fotos noch Fernsehinterviews zum Familienleben. Für den Alltag heißt das: Erlauben Sie sich ausdrücklich, Erinnerungen nicht zu dokumentieren. Ein Nachmittag am See ohne Kamera bleibt trotzdem im Kopf. Wenn doch fotografiert werden soll, verabreden Sie mit sich selbst ein Zeitfenster von etwa zehn Minuten am Anfang oder Ende und legen das Handy anschließend aus der Hand.

7. Xavier Naidoo: Anonymität von der Geburt an

Xavier Naidoo hält seine Familie seit dem Jahr 2013 konsequent aus der Öffentlichkeit heraus. Weder Namen noch Fotos seiner Töchter zirkulieren in den großen deutschen Medien. Das Magazin web.de rekonstruiert die Linie als eine der frühen prominenten Sharenting-Verweigerungen im deutschsprachigen Raum. Für den Alltag heißt das: Familien-Regeln funktionieren besser, wenn sie am Anfang stehen. Ein einmal öffentliches Kinderfoto lässt sich nur schwer aus Suchmaschinen entfernen. Wer sich vor dem ersten Post festlegt, muss später weniger löschen und weniger erklären. Zur Karriere des Sängers siehe unseren Xavier-Naidoo-Steckbrief.

Der Kontrast liefert den eigentlichen Lernwert. Der Blick auf Prominente ist deshalb interessant, weil sie die Konsequenzen früher sehen als der Durchschnitt.

Warum sind Prominente so vorsichtig mit Kinderfotos?

Prominente reagieren früher, weil sie das Risiko am eigenen Leib kennen. Barclays prognostiziert bis zum Jahr 2030 bis zu 7,4 Millionen Identitätsbetrugsfälle pro Jahr durch geteilte Kinderdaten. Der potenzielle Schaden liegt bei rund 667 Millionen Pfund jährlich (Barclays via Tech Monitor, 2018). Für Familien mit Paparazzi-Erfahrung ist das kein abstraktes Risiko, sondern gelernte Wachsamkeit gegenüber öffentlichen Bildern.

Drei konkrete Risiken

Drei Risiken stehen konkret im Raum. Erstens werden Kinderdaten in kriminellen Datenbanken gesammelt, um mit Namen, Geburtsdatum und Schulname synthetische Identitäten aufzubauen. Zweitens tauchen Kinderbilder immer wieder in einschlägigen Foren auf. Das Bundesministerium für Familie warnt seit Jahren vor der Nutzung harmloser Alltagsfotos in unerwünschten Kontexten.

Drittens hat sich das Risiko mit KI verändert. Sogenannte Nudify-Werkzeuge erzeugen aus harmlosen Fotos gefälschte Nacktbilder in Sekunden. Das Deutsche Kinderhilfswerk hat dieses Risiko im Jahr 2025 ausdrücklich in seine Warnungen aufgenommen. Prominente wissen aus der eigenen Berufsbiographie, dass jedes Bild eine mögliche Vorlage für Deepfakes ist.

So handeln Eltern wirklich

Wie Eltern in der Praxis reagieren, zeigt der C.S. Mott National Poll aus dem Jahr 2023. Nur 5 % blocken das Gesicht ihrer Kinder aktiv ab. 57 % setzen ausschließlich auf Privatsphäre-Einstellungen, und 30 % posten lieber gar nicht mehr (C.S. Mott Poll, 2023). Die Handlungslücke zwischen erkanntem Risiko und alltäglicher Praxis ist damit dokumentiert.

Die Zahl 5 % lässt sich in zwei Richtungen lesen. Sie zeigt einerseits, dass die Emoji-Regel in der Breite nicht angekommen ist. Andererseits ergänzt sich der Befund mit einem Winkel, den kein Ratgeber im deutschsprachigen Raum bislang systematisch aufgreift. Ein Emoji vor dem Gesicht schützt nicht vor Reverse Image Search, GPS-Metadaten oder erkennbarer Umgebung. Die Metadaten-Kette ist das eigentliche Risiko, nicht das sichtbare Gesicht.

Was sagt das Gesetz zu Kinderfotos im Netz?

In Deutschland gilt: Ab dem 14. Geburtstag muss neben den Eltern auch das Kind selbst der Veröffentlichung eines Fotos zustimmen. Die Rechtsgrundlage bilden § 22 KUG und Artikel 8 DSGVO in Kombination. Laut Bitkom-Erhebung aus dem Jahr 2024 sind trotzdem 31 % der Deutschen bei sozialen Medien und sogar 48 % bei Messenger-Diensten unsicher, wann sie posten dürfen (Bitkom, 2024).

Vier Regeln sind praktisch relevant. Erstens braucht jedes erkennbare Kinderfoto eine Einwilligung. Nach § 22 KUG darf ein Bildnis ohne Zustimmung des Abgebildeten nicht verbreitet werden. Bei Kindern übernehmen zunächst die Sorgeberechtigten diese Rolle.

Zweitens gilt die Doppel-Einwilligung ab 14 Jahren. Sowohl die Eltern als auch das Kind selbst müssen zustimmen. Der BGH und mehrere Oberlandesgerichte haben diese Linie in jüngerer Zeit bestätigt.

Drittens müssen bei gemeinsamem Sorgerecht beide Elternteile zustimmen. Bei einem Konflikt entscheidet im Zweifel das Familiengericht. Das gilt auch für Fotos, die nur ein Elternteil ins Netz stellt.

Viertens greift bei unerlaubten Aufnahmen zusätzlich § 201a StGB. Wer Fotos aufnimmt, die die persönliche Lebensgestaltung erheblich verletzen, etwa in Kinderzimmer oder Badezimmer, macht sich strafbar. Die UN-Kinderrechtskonvention Artikel 16 stützt diesen Rahmen völkerrechtlich.

Für den Alltag folgt eine einfache Reihenfolge. Vor jedem Post kommt die Frage, ob das Kind (ab 14 Jahren) zustimmt und ob der andere Elternteil informiert ist. Wenn nur einer dieser Punkte offen ist, ist die Antwort ein Nein. Ein Verstoß kann Unterlassungsansprüche und Schadensersatzforderungen nach sich ziehen. Muster-Einwilligungen stellt e-recht24.de bereit, das Deutsche Kinderhilfswerk bietet Materialien für Familien und Schulen.

Wie bewahren Sie Erinnerungen, ohne Ihr Kind zu zeigen?

Wer Erinnerungen bewahren will, ohne Kinder öffentlich zu machen, hat fünf funktionierende Wege. Keiner davon braucht Instagram, TikTok oder einen offenen Blog. Laut Bitkom aus dem Jahr 2025 sprechen 52 % der Eltern mit ihren Kindern über das Teilen, die andere Hälfte trifft die Entscheidung im Alleingang (Bitkom, 2025). Ein Alternativen-Baukasten hilft bei genau dieser Entscheidung.
Kinderfotos im Netz

1. Professionelle Kinderfotografie mit Privatsphäre-Briefing

Ein professioneller Kinderfotograf liefert Ihnen hochwertige Abzüge oder ein gebundenes Album, ohne dass ein Bild jemals auf einer öffentlichen Plattform landet. Klären Sie im Vertrag drei Punkte: keine Nutzung der Bilder in Portfolio oder Social Media, DSGVO-konforme Auftragsverarbeitung sowie das exklusive Nutzungsrecht bei Ihnen. Anbieter wie kizpix.de bieten professionelle Kinderfotografie an und setzen dabei auf eine persönliche und individuelle Betreuung von Familien. 

2. Physische Fotobücher und Abzüge

Cewe, Pixum und ähnliche Dienste drucken Ihnen jährlich ein Fotobuch oder auch nur eine handvoll Abzüge für den Kühlschrank. Der Vorteil: Das Buch liegt bei Ihnen im Regal, nicht auf einem Server in Kalifornien. Nachteil: Sie müssen die Bilder aktiv aussortieren, was ein Instagram-Feed nie erzwingt. Genau darin liegt der pädagogische Wert des Formats.

3. Ende-zu-Ende-verschlüsselte Familien-Alben

Signal-Gruppen und Threema teilen Bilder Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Wer eine Alben-Struktur will, greift zu Ente Photos oder Proton Drive. Beide Anbieter sitzen in der EU beziehungsweise der Schweiz und unterliegen entweder direkt der DSGVO oder einem gleichwertigen Schutzniveau. Beachten Sie: Auch verschlüsselte Alben sind nur so sicher wie die Geräte der Empfänger. In der Redaktion haben wir für drei Wochen alle Familienbilder ausschließlich über eine verschlüsselte Familien-Cloud (Ente Photos) verschickt. Zurückgemeldet wurde vor allem eines: mehr Ruhe im Nachrichten-Fluss, weil niemand mehr auf öffentliche Reaktionen wartete.

4. Geschlossene Familien-Apps

Tinybeans, FamilyAlbum und Cluster wurden für den Familienkreis gebaut. Sie kombinieren Alben, Chat und Kalender. Vorteil: einfache Bedienung auch für Großeltern. Nachteil: Die Anbieter sitzen mehrheitlich in den USA oder Japan. Lesen Sie die Datenschutzerklärung genau, insbesondere den Passus zur Löschung und zum Verkauf des Unternehmens.

5. Die Ohne-Gesicht-Ästhetik

Rückenansichten, Detailfotos von Händen, Füßen oder Kinderschuhen und Silhouetten sind die künstlerische Antwort auf Datenschutz. Sie eignen sich auch für einen öffentlichen Familien-Feed, wenn ein solcher unbedingt bestehen bleiben soll. Ehrliche Einschränkung: Emoji-Cover bleiben eine Notlösung. Wenn Umgebungsmerkmale, Kleidung oder Standort erkennbar sind, hilft ein Sternchen nur bedingt, wie im Kapitel über die Metadaten-Kette bereits ausgeführt.

Bevor Sie posten: die 3-Sekunden-Checkliste

Drei Fragen ersetzen das Bauchgefühl vor jedem Post: Hätte mein Kind mit 16 Jahren kein Problem damit? Ist das Konto wirklich privat? Sind Standort, Schule oder Klarname erkennbar? Laut Security.org-Studie aus dem Jahr 2021 nennen 81 % der Eltern den Klarnamen ihrer Kinder in Posts, 77 % teilen regelmäßig Bilder und 29 % fragen nie nach der Zustimmung des Kindes (Security.org, 2021).

Kinderfotos im Netz
Die Rahmenformel des Deutschen Kinderhilfswerks lautet: Denken, Fragen, Posten. Denken meint die Konsequenz in fünf Jahren. Fragen meint die Rückversicherung bei allen Beteiligten. Posten kommt erst zum Schluss, und nur dann, wenn beide vorherigen Punkte grün sind.

Drei technische Handgriffe

Drei technische Handgriffe erhöhen den Schutz. Entfernen Sie die Standort- und Kameradaten vor dem Upload. Auf iPhone und Android geht das in den Foto-Einstellungen mit wenigen Fingertipps. Prüfen Sie Ihre Kontoeinstellungen einmal pro Halbjahr, da Plattformen die Standardwerte regelmäßig ändern. Machen Sie einmal jährlich eine Reverse Image Search auf ein bestehendes Familienfoto, um zu sehen, wo es überall auftaucht.

Ergänzend zur klassischen Familien-Diskussion lohnt der Blick auf die Geräte der Kinder. Laut mpfs KIM-Studie aus dem Jahr 2024 besitzen 46 % der 6- bis 13-Jährigen in Deutschland ein eigenes Smartphone (mpfs, 2024). Ein Familien-Foto, das die Eltern öffentlich posten, wandert oft binnen Stunden in den Klassenchat des Kindes. Für die Kontoeinstellungen bei Instagram bietet unser Datenschutz-Ratgeber „Instagram-Konto wirklich privat stellen” einen Schritt-für-Schritt-Ablauf.

Häufig gestellte Fragen

Darf ich Bilder meiner Kinder in sozialen Netzwerken posten?

Ja, unter Bedingungen. Bei minderjährigen Kindern müssen beide Sorgeberechtigten zustimmen; ab dem 14. Geburtstag zusätzlich das Kind selbst. Rechtsgrundlage sind § 22 KUG und Artikel 8 DSGVO. Laut Bitkom aus dem Jahr 2024 kennen nur 26 % der Deutschen diese Regel im Detail. Bei Zweifeln lieber nicht posten.

Ab welchem Alter muss mein Kind der Veröffentlichung eines Fotos zustimmen?

Ab dem 14. Geburtstag gilt in Deutschland die Doppel-Einwilligung von Eltern und Kind. Grundlage bildet § 22 KUG in Verbindung mit der DSGVO, gestützt durch mehrere BGH- und OLG-Urteile. Ab 16 Jahren tendieren Gerichte zur alleinigen Entscheidungshoheit des Kindes, wenn die notwendige Einsichtsfähigkeit vorliegt. Musterformulare stellt urheberrecht.de bereit.

Wie fotografiere ich mein Kind, ohne das Gesicht zu zeigen?

Setzen Sie auf drei Techniken: Rückenansicht mit Blick in den Sonnenuntergang, Detailaufnahme von Händen, Füßen oder Spielzeug, und Silhouette gegen ein helles Fenster. Familie.de listet 20 weitere Ideen. Emoji vor dem Gesicht ist eine Notlösung, kein Ersatz für einen privaten Kanal, weil Metadaten und Kleidung erkennbar bleiben.

Wie kann ich Kinderfotos sicher an Verwandte weitergeben?

Vier Kanäle sind sicher: verschlüsselte Messenger wie Signal oder Threema, eine geschlossene Familien-App wie Tinybeans oder FamilyAlbum, ein gedrucktes Fotobuch von Cewe oder Pixum, oder ein professioneller Fotograf mit einer Privatsphäre-Klausel im Vertrag. Wichtig: Empfänger einweisen, dass die Bilder nicht in andere Chats wandern.

Fazit

Die Prominenten liefern kein Rezept, aber eine sortierte Frage. Welchen Nutzen hat der Post für mein Kind in fünf Jahren? Wenn die Antwort nichts oder wenig lautet, hat sich der Post erledigt. Die deutsche Rechtslage ist zudem strenger, als die meisten wissen. Laut Bitkom (2024) kennen nur 26 % die Regeln im Detail.

Drei Punkte lohnen sich zum Mitnehmen:

  • Erinnerungen und Öffentlichkeit sind nicht dasselbe.
  • Private Kanäle, gedruckte Alben und Fach-Fotografinnen liefern die bessere Bilanz aus Erinnerung und Schutz.
  • Die Doppel-Einwilligung ab 14 Jahren ist keine Empfehlung, sondern geltendes Recht.

Speichern Sie die 3-Sekunden-Checkliste als Merkbild auf Ihrem Smartphone und geben Sie den Text an andere Eltern weiter. Wer für den Familien-Alltag einen professionellen Weg sucht, findet in unserer Rubrik Fotografie und Erinnerungen weitere Ideen jenseits von Social Media.

Über die Autorin

Sarah Klein leitet in der celebmagazine.de-Redaktion das Ressort Digitales Familienleben. Sie schreibt seit über acht Jahren über Datenschutz, Kinderrechte im Netz und Medienkompetenz in Familien und war zuvor als Online-Redakteurin bei einem großen deutschen Elternmagazin. Alle Artikel der Autorin: celebmagazine.de/autoren/sarah-klein. Redaktionelle Standards und Korrekturen finden Sie im Redaktionsleitfaden sowie im Impressum.

Quellen (abgerufen am 10.09.2026)

  • Bitkom, Fotos von Kindern in sozialen Medien teilen, 2024, https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Fotos-von-Kindern-in-sozialen-Medien-teilen
  • Bitkom, Kinder und Jugendliche in der digitalen Welt, 2025, https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Eltern-Kinder-Social-Media-Balance-Freiheit-Kontrolle
  • Pew Research Center, Parenting Children in the Age of Screens, 2020, https://www.pewresearch.org/internet/2020/07/28/parents-attitudes-and-experiences-related-to-digital-technology/
  • C.S. Mott Children’s Hospital National Poll, Sharing Parenting: Getting Advice through Social Media, 2023, https://mottpoll.org/reports/sharing-parenting-getting-advice-through-social-media
  • Security.org, Parenting in a Social Media Age, 2021, https://www.security.org/digital-safety/parenting-social-media-report/
  • Barclays via Tech Monitor, Sharenting and Identity Fraud Forecast, 2018, https://techmonitor.ai/technology/cybersecurity/sharenting-barclays-identitytheft
  • Nominet / ParentZone, Today’s Children Will Feature in Almost 1000 Online Photos, 2015, https://nominet.uk/news/todays-children-will-feature-in-almost-1000-online-photos/
  • mpfs, KIM-Studie 2024, 2024, https://mpfs.de/app/uploads/2025/05/KIM-Studie-2024.pdf

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