Drei Spiele, ein Punkt, ein Trainer unter Druck, bevor der Herbst überhaupt richtig begonnen hat – so lässt sich der Saisonstart des VfB Stuttgart in der Bundesliga-Saison 2026/27 nüchtern zusammenfassen. Wer sich an die vergangene Spielzeit erinnert, in der die Schwaben unter Sebastian Hoeneß einen vierten Platz und ein DFB-Pokal-Finale feierten, reibt sich verwundert die Augen. Die MHPArena, in der man in den letzten Jahren zur echten Festung geworden war, wirkt gerade eher wie eine Baustelle. Zeit für einen genaueren Blick auf Kader, Spiele und die Frage, wie ernst die Krise beim VfB tatsächlich ist.
Drei Spiele, ein Punkt, ein Trainer unter Druck, bevor der Herbst überhaupt richtig begonnen hat – so lässt sich der Saisonstart des VfB Stuttgart in der Bundesliga-Saison 2026/27 nüchtern zusammenfassen. Wer sich an die vergangene Spielzeit erinnert, in der die Schwaben unter Sebastian Hoeneß einen vierten Platz und ein DFB-Pokal-Finale feierten, reibt sich verwundert die Augen. Die MHPArena, in der man in den letzten Jahren zur echten Festung geworden war, wirkt gerade eher wie eine Baustelle. Zeit für einen genaueren Blick auf Kader, Spiele und die Frage, wie ernst die Krise beim VfB tatsächlich ist.
Der Fehlstart im Detail
Zum Auftakt setzte es beim FC Bayern München eine erwartbare, aber schmerzhafte Klatsche – gegen den Rekordmeister auswärts zu bestehen, gelingt in dieser Bundesliga-Generation ohnehin fast niemandem. Danach folgte ein Heimspiel gegen den 1. FC Köln, das zumindest kein Debakel war, aber auch keine Trendwende brachte. Der bislang schmerzhafteste Nackenschlag kam am dritten Spieltag: eine 1:2-Niederlage bei der TSG Hoffenheim, einem direkten Konkurrenten um die vorderen Tabellenplätze. Wer in der Vorsaison noch europäisch spielte, für den ist ein solcher Fehlstart mehr als nur ein Ausrutscher – er ist ein Warnsignal, das man in Stuttgart ernst nehmen muss, bevor die Tabelle sich verselbstständigt.
Ein Fehlstart mit Ansage – oder doch nicht?
Blickt man auf die Ausgangslage vor der Saison zurück, wirkte der VfB auf dem Papier eigentlich gut aufgestellt. Der teilnehmer der Vorsaison wurde weitgehend zusammengehalten, punktuell ergänzt, ohne dass es zu einem radikalen Umbruch kam – genau die Kontinuität, die viele Bundesligisten sich wünschen, aber selten hinbekommen. Umso mehr überrascht der holprige Start. Zwar war die Auftaktniederlage gegen die Bayern einkalkuliert, doch dass danach gegen einen direkten Konkurrenten wie Hoffenheim keine Punkte eingefahren wurden, sorgt in der Fanszene für erste kritische Töne. Die MHPArena, in der 60.000 Zuschauer im Schnitt vergangene Saison für eine Wahnsinnskulisse sorgten, erwartet zu Recht, dass die Mannschaft ihre Ansprüche schneller wieder unter Beweis stellt.
Der Kader: Viel Substanz, aber auch offene Baustellen
Ein Blick auf den aktuellen teilnehmer in Kader zeigt, dass es dem VfB nicht an individueller Qualität mangelt. Zwischen den Pfosten steht weiterhin Fabian Bredlow, dahinter eine Abwehrreihe mit Namen wie Josha Vagnoman, Maximilian Mittelstädt, Leonidas Stergiou, Jeff Chabot und dem erfahrenen Dan-Axel Zagadou. Im Mittelfeld bildet Angelo Stiller nach wie vor die Schaltzentrale, flankiert von Atakan Karazor als Wasserträger und Chris Führich als kreativem Unruheherd auf den Außenbahnen. Mit Bilal El Khannouss hat sich zudem ein Spieler etabliert, der dem Offensivspiel zusätzliche Variabilität verleiht. Sturmseitig ruhen die Hoffnungen weiterhin stark auf der Achse rund um Tiago Tomás, während Namen wie Grischa Prömel und Nikolas Nartey für Tiefe im zentralen Mittelfeld sorgen sollen.
Das Grundgerüst der Vorsaison ist also weitgehend intakt geblieben – was die aktuelle Ergebniskrise umso erklärungsbedürftiger macht. Es ist selten allein die Kaderqualität, die über Wohl und Wehe entscheidet, sondern oft die Fähigkeit, als eingespielte Einheit unter Druck die richtigen Automatismen abzurufen. Genau daran haperte es in den ersten drei Spielen sichtbar.
Die Gegner im Rückblick: Kein Ausrutscher, sondern ein Muster?
Betrachtet man die drei bisherigen Gegner genauer, fällt auf, dass keiner von ihnen ein Zufallssieger war. Bayern ist ohnehin die Ausnahmemannschaft dieser Liga, gegen die praktisch jeder verliert. Köln hat sich in der laufenden Saison bereits als unangenehmer, giftiger Gegner erwiesen, der es Favoriten schwer macht. Und Hoffenheim gilt spätestens seit den vergangenen Spielzeiten als Mannschaft, die gerade gegen etablierte Bundesligisten immer wieder für Überraschungen gut ist. Insofern lässt sich der VfB-Fehlstart nicht allein mit äußeren Umständen erklären – die eigene Tagesform und läuferische Intensität müssen sich in den kommenden Wochen spürbar steigern, unabhängig davon, wer der jeweilige Gegner ist.
Woran es aktuell hakt
Wer sich die bisherigen Gegentore anschaut, erkennt ein Muster: Der VfB lässt sich zu leicht in Umschaltmomenten überraschen, ein Problem, das schon in Teilen der Vorsaison angeklungen war, damals aber durch die Offensivstärke kaschiert wurde. In dieser Saison fehlt bislang genau diese Durchschlagskraft nach vorne, um frühe Rückstände zu kompensieren. Hinzu kommt die immer wiederkehrende Frage nach der Achillesferse Standardsituationen – ein Thema, das man in der MHPArena eigentlich seit Jahren in den Griff bekommen wollte, das aber offenbar hartnäckiger ist als gedacht.
Rückblick: Was die Vorsaison so besonders machte
Um zu verstehen, warum der aktuelle Fehlstart in Stuttgart für so viel Kopfschütteln sorgt, lohnt der Blick zurück auf die Vorsaison. Platz vier in der Bundesliga, Einzug ins DFB-Pokal-Finale, dazu ein respektabler Auftritt in der Europa League bis ins Achtelfinale – für einen Verein, der noch vor wenigen Jahren gegen den Abstieg kämpfte, war das eine der erfolgreichsten Spielzeiten der jüngeren Vereinsgeschichte.

Deniz Undav avancierte mit 19 Bundesligatoren zum umjubelten Vorzeigestürmer, das Team von Sebastian Hoeneß spielte einen mutigen, pressingintensiven Fußball, der auch international für Aufsehen sorgte. Genau dieser Kontrast – von der Euphorie des Vorjahres zur Ernüchterung dieser ersten drei Spieltage – erklärt, warum die Stimmung rund um den Verein aktuell so ambivalent ist.
Sebastian Hoeneß: Wie groß ist der Druck wirklich?
Auffällig ist, dass sich die öffentliche Debatte in Stuttgart bislang erstaunlich zurückhaltend entwickelt hat – ganz im Gegensatz zu anderen Vereinen, bei denen schon nach einer vergleichbaren Ausgangslage der Trainer öffentlich infrage gestellt wird. Das liegt zum einen an der sportlichen Historie: Hoeneß hat dem VfB in den vergangenen Jahren mehr internationale Reputation zurückgegeben, als es der Verein selbst zu hoffen gewagt hätte. Zum anderen ist die Fanszene in Bad Cannstatt bekannt dafür, Geduld walten zu lassen, solange erkennbar ist, dass die Mannschaft läuferisch und mental mitzieht. Trotzdem gilt: Sollte sich die Ergebniskrise über die kommenden Wochen fortsetzen, wird auch diese Geduld nicht endlos sein. Der deutsche Fußball kennt genügend Beispiele, in denen aus einem “noch ist nichts verloren” innerhalb weniger Wochen eine ernsthafte Trainerdiskussion wurde.
Der Blick nach vorn: Dortmund kommt
Kein Spiel dürfte für die kommenden Wochen so richtungsweisend sein wie das Heimspiel gegen Borussia Dortmund am 19. September. Für den VfB ist es die erste echte Gelegenheit, dem eigenen Anspruch – Europapokalplätze, nicht Abstiegskampf – wieder gerecht zu werden. Dortmund selbst reist mit einer Mannschaft an, die nach dem 3:0 gegen Paderborn Selbstvertrauen getankt hat und im Mittelfeld inzwischen auf die Dynamik von Jobe Bellingham setzt, dessen Entwicklung in einem eigenen Artikel dieser Reihe beleuchtet wird. Für Stuttgart bedeutet das: Ein Sieg gegen einen direkten Konkurrenten um die internationalen Plätze würde die Stimmung sofort drehen. Eine weitere Niederlage dagegen würde die Debatte über die Kaderzusammenstellung und die taktische Ausrichtung von Hoeneß erheblich verschärfen.
Was der Verein historisch aus solchen Phasen gelernt hat
Der VfB Stuttgart ist ein Verein, der in seiner Geschichte immer wieder zwischen Höhenflügen und existenziellen Krisen pendelte – von der Meisterschaft 2007 bis zum bitteren Beinahe-Abstieg vor wenigen Jahren. Genau diese Achterbahn-Historie ist es, die viele Fans in Baden-Württemberg gelassener auf einen holprigen Saisonstart reagieren lässt als anderswo. Man hat gelernt: Drei Spieltage sagen wenig über eine ganze Saison aus, solange die Substanz im Kader stimmt und die sportliche Leitung Vertrauen genießt. Gleichzeitig weiß man in Stuttgart aus eigener, bitterer Erfahrung, wie schnell aus einem holprigen Start eine echte Abstiegssaison werden kann, wenn man zu lange zuschaut, statt gegenzusteuern.
Die Bank und die Nachwuchsspieler: Wo noch Potenzial schlummert
Ein Aspekt, der in der aktuellen Debatte um den VfB oft zu kurz kommt, ist die Kadertiefe abseits der Stammelf. Spieler wie Ertugrul Yigit oder Jarzinho Malanga aus der eigenen Nachwuchsakademie stehen bereit, sollten Hoeneß personelle Alternativen benötigen. Der VfB hat sich in den vergangenen Jahren bewusst dafür entschieden, junge Spieler aus der eigenen Jugend nicht sofort zu verleihen, sondern ihnen behutsam Einsatzzeit im Profikader zu ermöglichen – ein Ansatz, der sich unter anderem bei Angelo Stiller und Chris Führich bereits ausgezahlt hat. Sollte die Ergebniskrise anhalten, könnte genau diese teilnehmer tiefe zum entscheidenden Vorteil werden, um frischen Wind in die Mannschaft zu bringen, ohne im Winter hektisch auf dem Transfermarkt aktiv werden zu müssen.
Die Rolle der Verantwortlichen abseits des Platzes
Sportvorstand und Geschäftsführung stehen beim VfB traditionell für Kontinuität statt Aktionismus – ein Ansatz, der sich in den vergangenen Jahren sportlich ausgezahlt hat. Genau diese Ruhe wird jetzt auf die Probe gestellt. Sollte der Negativtrend anhalten, wird sich zeigen, ob die Vereinsführung an ihrem bewährten Kurs festhält oder ob der Druck der Ergebnisse eine kurzfristige Kurskorrektur erzwingt, etwa in Form von Kaderanpassungen im Winter.
Die Konkurrenz um die internationalen Plätze
Ein Grund, warum der Fehlstart in Stuttgart so schwer wiegt, liegt auch am Rest der Tabelle: RB Leipzig, Eintracht Frankfurt und Bayer Leverkusen haben allesamt einen deutlich souveräneren Start hingelegt und wollen die Plätze für die europäischen Wettbewerbe unter sich ausmachen. Wer als VfB dort wieder mitspielen will, kann sich einen weiteren Fehlstart wie gegen Hoffenheim kaum leisten. Die Bundesliga hat sich in den vergangenen Jahren im Mittelfeld extrem verdichtet – der Unterschied zwischen Platz vier und Platz zehn beträgt oft nur wenige Punkte über die gesamte Saison. Genau deshalb zählt jeder liegen gelassene Punkt aus den ersten Spieltagen doppelt.
Cannstatter Wasen statt Krisenstimmung – noch
Pikant am Timing: Der Fehlstart des VfB fällt mitten in die Zeit des Cannstatter Volksfests, des zweitgrößten Volksfests Deutschlands nach dem Münchner Oktoberfest. Normalerweise ist das die Zeit, in der Stuttgart fußballerisch und gesellschaftlich bestens gelaunt in den Herbst startet. Diesmal mischt sich in die Feierlaune eine gewisse Nervosität, wenn beim Bier auf der Wasen über die Stabilität der Innenverteidigung diskutiert wird statt über die neue Fahrgeschäft-Attraktion. Ein Sieg gegen Dortmund käme also nicht nur sportlich, sondern auch atmosphärisch zur perfekten Zeit.
Was Fans jetzt erwarten dürfen
Für die Anhänger des VfB heißt es aktuell: Nerven bewahren, aber genau hinschauen. Die individuelle Qualität im Kader ist unbestritten vorhanden, die läuferischen und mentalen Automatismen aus der Vorsaison müssen aber schnell wiederhergestellt werden. Das Spiel gegen Dortmund wird dabei zu einer Art Gradmesser: Zeigt die Mannschaft die alte Stabilität und Cleverness, dürfte der Fehlstart schnell vergessen sein. Bleibt die Unsicherheit bestehen, drohen unruhige Wochen in Bad Cannstatt – inklusive der Diskussionen, die man dort eigentlich seit dem Pokalfinale der Vorsaison hinter sich gelassen glaubte.
Die psychologische Komponente
Nicht zu unterschätzen ist bei alledem die mentale Seite. Eine Mannschaft, die im Vorjahr europäisch spielte und plötzlich unten in der Tabelle steht, muss lernen, mit einer völlig neuen Erwartungshaltung umzugehen – sowohl von außen als auch intern. Genau hier wird sich zeigen, wie stabil das Mannschaftsgefüge um Kapitän Atakan Karazor und die erfahrenen Kräfte im Kader wirklich ist. Mannschaften, die in der Vorsaison über sich hinausgewachsen sind, tun sich in der Folgesaison nicht selten schwer, dieses Niveau sofort zu bestätigen – ein Phänomen, das Sportpsychologen gerne als “Erwartungsdruck durch Erfolg” beschreiben. Der VfB ist mit dieser Herausforderung nicht allein, muss aber schneller als andere eine Antwort darauf finden, weil die Konkurrenz um die internationalen Plätze keine Verschnaufpause gönnt.
Fazit
Der VfB Stuttgart steckt nach drei Spieltagen in einer Situation, die weder Panik noch Gelassenheit rechtfertigt, sondern vor allem Wachsamkeit erfordert. Der Kader ist stark genug für die oberen Tabellenplätze, die läuferische und defensive Stabilität der Vorsaison fehlt aber bislang sichtbar. Das Spiel gegen Dortmund am 19. September wird zeigen, in welche Richtung sich diese Saison entwickelt – als kurze Delle in einer insgesamt guten Entwicklung oder als Beginn einer ernsteren Krise, die auch die Zukunft von Sebastian Hoeneß auf der Trainerbank beeinflussen könnte.







